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Fragen kostet nichts

28. Juli 2013

Liebe Schreibende,

ich weiß, in unserem Kulturkreis spricht man allgemein nicht gerne über Geld (außer über jenes, das andere unserer Meinung nach zu viel haben) – ich tue das jetzt einfach einmal trotzdem, denn man hat schon am Beispiel Sexualität/Verhütung sehen können, welcher Irrglaube sich verbreitet, wenn niemand bereit ist darüber zu reden.

Das ist ein Brief an jene unter euch, die glauben, dass Agenturen Vorschüsse und Verlage Zuschüsse verlangen und diese „Fakten“ an andere Schreibende weiterverbreiten und an jene, denen so etwas eventuell schon erzählt wurde. (Denn solche kommen mir in letzter Zeit vermehrt unter.) Die Wahrheit ist: Agenturen und Verlage verlangen von euch kein Geld im Voraus, ein Verlag verlangt sogar NIEMALS Geld von euch, das machen nur Abzocker und Menschen, die es vielleicht ganz gut meinen, aber irgendwie doch keine Ahnung haben.

Eine Agentur arbeitet auf Erfolgshonorarbasis, d.h. sie bekommt einen Prozentsatz des Geldes, das euer Verlag – an den sie euch vorher vermittelt hat – an euch auszahlt, üblicherweise um die 15 Prozent. Das wiederum bedeutet, dass sie auch kein Geld bekommt, sollte sie euch nicht vermitteln können, was dazu führen müsste, dass Agenturen nur Manuskripte annehmen, bei denen sie auch eine Chance auf Vermittlung sehen, ansonsten machen sie sehr viel unbezahlte Arbeit. Und das Schöne an diesem System: Eure Agentur hat GROSSES Interesse daran euer Manuskript gut zu vermitteln und für euch ein angemessenes Honorar auszuhandeln.

Ein Verlag finanziert die Veröffentlichung eures Buches, weil er der Überzeugung ist, mit eurem Manuskript mindestens kostendeckend arbeiten zu können, und bezahlt den euch zustehenden Anteil nach Veröffentlichung einmal im Jahr zusammen mit einer schriftlichen Abrechnung an euch aus. Das heißt, der Verlag hat GROSSES Interesse daran euer Buch gut zu verkaufen, sonst macht er Verlust.

Einmal kurz nachgedacht: Warum sollte jemand, der schon im Voraus Geld bekommen, und sich dabei zu wenig bis nichts verpflichtet hat, außer eben euren Text ein paar Mal per E-Mail zu verschicken, oder eben euren Text, so wie er ist, billig zwischen Buchdeckel zu drucken, ja warum sollte so jemand noch viel für sein Geld arbeiten wollen?

Merkzettel:

Agentur -> Erfolgshonorar nach Vermittlung (auf Basis der Auszahlungen des Verlages)

Verlag -> zahlt euch euren Anteil einmal jährlich aus (auf Basis der vereinbarten Prozente am Verkaufspreis)

Im Zweifelsfall den Vertrag von eurer Interessensvertretung (in Österreich der IG Autorinnen Autoren) prüfen lassen und andere bei Agentur/Verlag gelistete Schreibende nach ihren Erfahrungen befragen.

Viel Glück.

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