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Klagenfurter Notizen, Juni 2013

4. Juli 2013

5. Juni

Vorbereitende Überlegungen zu den TDDL:

Heute ist ein vernichtendes Urteil über einen Text oft auch ein Urteil über den Verlag, der den Autor oder die Autorin empfohlen hat – im Rahmen ihrer Empfehlung lektorieren viele Häuser die eingesandten Texte, man bekommt also ein bereits bearbeitetes Stück vorgelegt, oft schon alleine deshalb, weil die zugehörigen Bücher kurz darauf erscheinen. Sollte nun in der Jury die Bemerkung fallen, der Text gehöre aber noch überarbeitet, so ist das gleichzeitig die Aussage, dass das Lektorat nichts taugt – sonst hätten die Mängel doch bereits behoben sein sollen.

 

12. Juni

Lesung am Ingeborg-Bachmann-Gymnasium. Wenn ich die nette Lehrerin richtig verstanden habe, haben die noch netteren Schülerinnen nach dem Sichten meines TDDL-Lese-Videos einer gewissen Jurorin vom Vorjahr gegenüber eine leichte Abneigung entwickelt, ganz nach dem Motto „Corinna, wir wissen wo dein Auto stand“. Ungestüme Jugend. Wunderbare Fans. Ich bitte trotzdem allen Juroren und Jurorinnen und deren materiellen Besitztümern gegenüber nicht handgreiflich zu werden, egal wie sehr die eigene Meinung von der öffentlich vertretenen der jeweiligen Person abweicht. Wir können über alles reden.

 

?. Juni

Einen Albtraum gehabt. Davon geträumt, dass „Was gibt es Neues?“ mit einer Sondersendung in die TDDL integriert wurde. Die Komiker-Besetzung darf zwischen den Kritiken raten, worum es in dem AutorInnenvideo/Text eigentlich ging. Wer etwas errät, bekommt Buchgeschenke. Das Ding der Woche kommt aus dem Musil-Museum.

 

26. Juni

Mir gegenüber wurde eine ansehnliche Zahl Mitglieder der schreibenden Zunft als Gäste außer Konkurrenz während mindestens einem der Tage der deutschsprachigen Literatur 2013 angekündigt. Das könnte also eine gute Gelegenheit sein, sich einen guten Teil seiner Bibliothek signieren zu lassen.

 

27. Juni

Rat von Karsten Krampitz: Lass dich in Klagenfurt mit niemandem fotografieren. Mit NIEMANDEM!

(Vielleicht hat einer seiner ehemaligen Verlage die fehlende Foto-Willigkeit gemeint, als man dem Autor mitteilte, er wäre nicht mehr vermarktbar. Und ich dachte, es ginge wenigstens noch darum, ob die Texte vermarktbar sind oder nicht.)

 

28. Juni

Es gibt das Gerücht, die neue Stadtschreiberin würde nicht trinken.

 

29. Juni

Während einer Theateraufführung beinahe von einem Erdapfel bewusstlos geschlagen.

 

 

Überflogen – Eindrücke aus „Klagenfurter Texte“  1980-2000, Teil 2

 

TDDL 1984:

Der Band von 1984 fühlt sich an, als hätte ihn noch nie jemand aufgeschlagen.

Die drei HauptpreisträgerInnen von 1984 waren  Erica Predetti, Renate Schostack, Wolfgang Hegewald. Stipendien haben Helen Meier und Thomas Strittmatter erhaltten.

Bekannten Namen – für mich – auf der AutorInnenliste sind: Josef Haslinger, Michael Köhlmeier

In einem Artikel zum achten Wettbewerb heißt es: „Der …. Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis der Stadt Klagenfurt würde wohl erst überflüssig werden, wenn er sich als Institution nicht mehr zu behaupten hätte, als Tradition unangreifbar wäre. (FAZ, 1984)“ Ein Omen für 2014?

 

TDDL 1985:

Die drei HauptpreisträgerInnen waren Hermann Burger, Birgit Kempker, Ginka Steinwach, Stipendien gingen an Lilian Faschinger und Dante Andrea Franzetti.

Mir bekannte Namen auf der AutoInnenliste: Lilian Faschinger, Gert Heidenreich (der, der mir einmal als der Exmann von Elke Heidenreich vorgestellt wurde?), Waltraud Anna Migutsch(das „Waltraud“ ist mir neu)

Schon im neunten Jahr macht sich bei manchen Langeweile breit. In  Artikeln wird das Scheitern der Teilnehmerinnen am richtigen Satzbau und ganz allgemein der Rechtschreibung bemängelt.  Man spricht von einer neuen professionellen Gelassenheit, von der man noch nicht weiß, ob man sie für gut befinden soll.

 

TDDL 1986:

Jubiläum! 10 Jahre Bachmannpreis.

Die HauptpreisträgerInnen dieses Jahres:  Katja Lange-Müller, Ingrid Puganigg, Jochen Beyse, Zsuzsanna Gahse

Stipendien an: Daniel Grolle und Arnulf Ploder

Bekannten Namen auf der AutorInnenliste: Friederike Kretzen, Katja Lange-Müller, Walter Vogll

Wann wurden eigentlich die Werbeseiten in Bücher abgeschafft? (Außer jenen mit der verlagseigenen Werbung, die noch öfters zu finden ist.) Die Jurymitglieder werden ihrer Tätigkeit langsam müde und kündigen teilweise ihren Rückzug an. Marcel Reich-Ranicki meint, der Wettbewerb hätte vor allem die Aufgabe den „Weg zum Erfolg abzukürzen“.

 

TDDL 1987:

Die drei HauptpreisträgerInnen:  Uwe Saeger, Werner Fritsch, Irina Liebmann

Stipendium an: Anna Laghoff

Bekannten Namen auf der AutorInnenliste: Urs Allemann, Friedrich Hahn, Paulus Hochgatterer

Langsam habe ich den Verdacht, man darf in Klagenfurt kein offizieller Preisträger werden, um später erfolgreich zu sein, zumindest in Österreich (Haslinger, Köhlmeier, Hochgatterer). Ebenfalls auffällig: Die Anzahl, Sponsoren und Art der Preise variieren teilweise von Jahr zu Jahr, je nachdem, wer wohl gerade Geld übrig hatte.

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2 Kommentare leave one →
  1. Helga Strasser permalink
    30. August 2013 07:30

    mein Beitrag 5. Juni – „Lektor“ schlecht ?!

    Ich schreibe gerne und wollte einmal „richtig schreiben“ lernen. Besuchte einen 4 tägiges Schriftsteller Seminar im Ausseerland. Wir kamen mit vorbereiteten Texten, das hatte man verlangt. Brav wie wir waren, verbrachten wir den Tag mit dem Vorlesen dieser Texte (Erzählungen, Erlebtes usw.) Der Seminarleiter hörte zu, gab keinen Kommentar und verlangte, dass wir unsere Texte nachts nochmals überarbeiten sollten. Das wiederholte sich 3 Tage lang. Dann wurde es mir zu bunt – und ich fuhr nach Hause !
    Er kassierte das Geld der 12 Seminarteilnehmer und fuhr am 4. Tage nach Hause. Ende des Tatsachenberichtes.
    Vielleicht starte ich ja nochmals diese Karriere :-), bald – nachdem ich C. Travnicek gehört habe,….

    • frautravnicek permalink*
      4. September 2013 12:07

      liebe helga strasser,
      auch das klingt für mich nicht sehr seriös. aber ich bitte sie selbst nicht solchen ideen zu verfallen – warum gründen sie mit gleichgesinnten in ihrer umgebung nicht eine textwerkstatt, die sich einmal im monat trifft? das ist jedenfalls kostenlos.

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