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Klagenfurter Notizen, Mai 2013

15. Juni 2013

 

20130506_1717568. Mai, Tag der „Antrittslesung“. Gedanke beim Beantworten der Publikumsfragen:

Ich fände es verständlich, würden die Klagenfurter und Klagenfurterinnen bei der Publikumspreisfrage so abstimmen, dass sie sich vom Ergebnis – dem oder der StadtschreiberIn im nächsten Jahr – den größten Unterhaltungswert versprechen.

23. Mai, angenommene Herausforderung:

In FlipFlops und Sommerkleid, mit der vollgepackten Ledertasche – Laptop, Buch, Notizbuch – am Gepäckträger, auf meinem etwas quietschenden, unrund laufenden Stadtrad den Wörthersee umrundet. Jetzt schleift die Bremse hinten.

25. Mai, Kulturveranstaltungen:

Bei einer Samstagsvormittagsveranstaltung im Stadttheater, unter anderem mit Josef Winkler, macht dieser eine wunderbare Aussage: „Sätze passieren irgendwie.“ Recht hat er. Wenn mich bei der nächsten Schullesung mal wieder jemand fragt, wie das geht, mit dem Schreiben, sage ich: Passiert halt.

26. Mai, Lesung Maja Haderlap:

Frau Haderlap liest einige Gedichte zweisprachig. In der Pause möchte ich gerne ein typisches Handyfoto von der Kaiserbüste im Foyer und mir machen. Jedoch: Kein unbeobachteter Moment.

29. Mai, Langeweile, abends:

Im Schriftstelleratelier versammeln sich alle Bände der „Klagenfurter Texte“ von 1980 bis heute. Zum Spaß habe ich Burkhard Spinnens Wettbewerbsbeitrag nachgeschlagen und  war am Ende, muss ich gestehen, nicht so beeindruckt. Fakt von Interesse: Seine Hauptfigur hat einen Hund namens Asta, der in ein paar Szenen mitspielen darf und ein richtiger Hund ist. (Insiderwitz.) Seine Frau, die Ursel, darf dafür in Dialogen nur so vorkommen:  …“, sagt die Frau.

Wenn man nichts zu tun hat, kann man alle Möbel im Atelier umstellen, nur um am Ende wieder bei der Startaufstellung anzugelangen. Oder eben alle Bände der „Klagenfurter Texte“ lesen. Da ich nichts vom Tischerücken halte, werde ich nun, sofern gerade nichts aufzuschreiben ist, die alten Anthologien durchblättern.

 

 

Überflogen – Eindrücke aus „Klagenfurter Texte“  1980-2000, Teil 1

 

20130506_171811

[Anmerkung: In den Jahren des Preises, in denen die DDR noch existierte, kam es oft dazu, dass eingeladene AutorInnen keine Ausreisegenehmigung erhielten, darum variiert die Zahl der Teilnehmenden.]

 

TDDL 1980:

Die drei PreisträgerInnen sind Sten Nadolny, Anna Jonas und Ingrid Puganigg.

Der Wettbewerb findet zum vierten Mal statt. Von allen AutorInnen, die in diesem Jahrgang gelesen haben, sind mir namentlich bekannt: Bodo Kirchhoff (denke ich) und Christine Haidegger (denke ich). Die AutorInnen unterzeichnen einstimmig eine Petition zur Abschaffung des Preises in seiner Art und Aufteilung des Preisgeldes als Honorar an alle Lesenden. Die Medien finden es irgendwie bedenklich, dass keine(r) der PreisträgerInnen unter 30 ist. Die AutorInnen wünschen sich außerdem Lesungen und Diskussionen im Rahmenprogramm. (Ernsthaft, nach 24 Lesungen und Kritikrunden noch mehr Lesungen und Diskussionen?)

 

TDDL 1981:

Die drei PreisträgerInnen sind Urs Jaeggi, Eva Demski und Dominik Brun.

28 AutorInnen kommen, von der Namensliste sind mir bekannt: Ilma Rakusa und Elfriede Czurda. Man freut sich allgemein, dass die Tristesse in den Texten abzuklingen scheint. (Zu früh gefreut, möchte ich sagen, im Hinblick auf das was an Tristesse noch kommen sollte in der deutschsprachigen Literatur.) Es gibt keine Resolutionen oder Skandale, die Teilnehmenden pflegen ein kollegiales Verhältnis. Angst vor dem Aussterben des Humors in Klagenfurt (in den Texten, versteht sich). Detail am Rande: Der Preisträger verwendete in seinem Text das Wort „Negermaske“.

 

TDDL 1982:

Die drei HauptpreisträgerInnen sind Jürg Amann, Brigitta Arens und Einar Schleef. Je ein Stipendium gestiftet von den Verlegern erhielten Ulla Berkéwicz (Die Ulla? Habe ich gedacht.) und Walter Vogel.

Von den eingeladenen 28 AutorInnen kenne ich namentlich:  Ulla Berkéwicz (aber nicht als Autorin), Walter Vogel (vielleicht?). Zitat aus einem Nachbericht der FAZ: „ In den dreieinhalb Tagen war die Zahl der indiskutablen Beiträge für alle Anwesenden bei noch so großer Geduld eine ziemliche Zumutung.“ Detail am Rande: Die Ausgabe der „Klagenfurter Texte“ hat einige fehlerhafte, d.h. unbedruckte Seiten.

 

TDDL 1983:

Die drei HauptpreisträgerInnen sind: Friederike Roth, Gerhard Köpf und Uwe Herms. Die beiden Stipendien erhalten Wolfgang Linder und Bodo Morshäuser.

Die mir bekannten Namen auf der AutorInnenliste sind: Rainald Goetz und Alban Nikolai Herbst. Das ist das Jahr des Goetz-Skandals. In den Medienresonanzen wird festgehalten, ein Zuschauer wäre im Saal ohnmächtig niedergesunken – wegen des Goetz-Blutes, nicht wegen der Qualität der Texte. Die Jury ignoriert die Provokation weitgehend. Dieser Vorfall jährt sich heuer zum 20. Mal, und immer noch wartet der Literaturbetrieb auf etwas ähnlich Aufregendes, abseits von der Literatur. Bemerkenswert: Zum ersten Mal in den sieben Jahren seines Bestehens gewinnt eine Frau den Hauptpreis.

 

Mehr Fotos findet man in diesem Album auf Facebook.

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2 Kommentare leave one →
  1. Felix permalink
    20. Juni 2013 16:47

    oje, was ist, wenn die reihe durch ist? cds sortieren im theatercafé? 🙂

    • frautravnicek permalink*
      21. Juni 2013 10:17

      es gibt zum glück buchhandlungen in klagenfurt, es findet sich also immer etwas zu lesen.

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