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Abwarten und Tee trinken

11. November 2012

Mit einem Toast, bestrichen mit Schwartzee-Lavendel-Marmelade (ein Geschenk der BKS bei meiner Lesung in Klagenfurt diese Woche) und einer großen Tasse Milky Oolong (ein Geschenk von der Präsentation des Buches „Tee! Tee! Tee!), kann man ganz ausgezeichnet eine Besprechung eben dieses Buches über Tee schreiben.

„Alles außer klassisch“ ist das Motto des Buches über aktuelle Entwicklungen des modernen Teegenusses von Anna Burghardt, die manche vielleicht aus dem Presse „Schaufenster“ kennen, wo sie für Artikel über leibliche Genüsse zuständig ist. So liest sich auch dieses Buch, eine Ansammlung von Kolumnen und Glossen zu verschiedenen Tee-Themen: Bubble Tea, Tee-Cocktails, Afternoon Tea, Tanz-Tee, Tee-Nerds und vieles mehr. Zwischendurch finden sich als Einsprengsel kleine Selbsttests, Rezepte, Adressen, humorvolle kurze Textbeiträge zum Thema, und hübsche, moderne Illustrationen von Monica Gross Meinhart.

Cover des Buches „Im klassischen Kaffeehaus hat niemand den Teetrinker lieb“, sagt Frau Burghardt, und räumt ein, das es in den letzten Jahren durchaus Verbesserungen gab. Recht hat sie leider trotzdem noch immer. Auch ich, als jahrelange eher Tee als Kaffee – Trinkerin und mittlerweile großer Tee-Fan, bin regelmäßig geschockt von Teeerfahrungen in der österreichischen Gastronomie. Da werden Gläser mit entweder zu heißem oder zu kaltem Wasser mit eingepackten künstlich aromatisierten Teebeuteln serviert, wo einem schon beim Etikett übles schwant… ich werde mich auch immer an eine Chai Latte erinnern, die ich mir aus dem servierten Häferl halbwarmer Milch und einem großen Beutel Gewürztee selbst zusammenbasteln sollte.
Hinzu kommt: Auch die KaffetrinkerInnen üben sich in nobler Ignoranz, übersehen gelassen, dass „Tee“ eigentlich eine Pflanze bezeichnet, von der es, wie beim Kaffee, unterschiedliche Sorten, Züchtungen und Anbaugebiete gibt, von denen jede ihr ganz eigenes Aroma entfaltet und die mit dem üblichen österreichische Einheitsbrei aus „Ich bin krank“-Aufgüssen (allen voran Kamille und Hagebutte) sowie dem ganze Haufen aromatisierter Lifestyletees nichts zu tun hat.

Aber: Nachdem man sich genug über Unwissenheit beschwert hat, kann man sich den ganzen interessanten Neuentwicklungen auf dem Gebiet des gehobenen Tee-Genusses zuwenden, zu dem es im Buch je ein kurzes Kapitel gibt, von denen ich jetzt nicht zu viel erzählen will, da ich sonst „Tee! Tee! Tee!“ ein großes Stück seines Informationsgehaltes stehlen würde.

Ich sage nur soviel: Das vorliegende Buch ist ein hübscher, kleiner Geschenkband, und, für alle, die schon an der Schwelle des Tee-Nerdtums stehen wahrscheinlich der letzte entscheidenen Schubs, für andere sicher interessant und anregend und kann durchaus dazu führen, dass man etwas von den im Buch erwähnten Dingen ausprobiert oder gar am Ende mit einem komplett neuen Teeservice und einigen neuen Teesorten den nächsten Teeladen des Vertrauens verlässt. Hardcore-Kaffee-VerfechterInnen wird auch dieses Buch nicht bekehren. Richtige TeekennerInnen werden nicht viel Neues lernen, da das Buch eher darauf setzte einen kurzweiligen Überblick zu bieten als bei bestimmten Themen allzu sehr in die Tiefe zu gehen.

(Das fällt mir als Kennerin natürlich besonders im Abschnitt über Bubble Tea auf, da sich die Autorin hier zwar zumindest einschlägig bewandert, letzten Endes jedoch nicht als Expertin zeigt – sieht sie sich doch immer noch vom Bestellvorgang überfordert, den die meisten Jugendlichen ab dem 3. Einkauf perfekt beherrschen, und differenziert sie auch nicht ausreichend zwischen verschiedenen Getränke-Sorten, Anbietern und Qualität. Ich lade Frau Burghardt aber gerne ein bei mir im Shop noch ein ausführliches Tasting vorzunehmen, um einen der ersten wirklich informierten Artikel über Bubble Tea in Österreich zu schreiben, nachdem sich die bisher in den Medien veröffentlichen vor allem durch Wenig- bis Falschinformation ausgezeichnet haben.)

Der oben erwähnte Milky Oolong ist übrigens der Lieblingstee von Frau Burghardt – eine ganz ausgezeichnet Wahl, muss ich sagen. Ich hebe also meine Tee-Tasse auf dieses durchaus gelungene Buch mit einem neuen Ansatz über Tee zu schreiben und warte ab, ob Frau Burghart meine Einladung annimmt.

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One Comment leave one →
  1. Tanja permalink
    11. November 2012 15:55

    Ganz passend zu dieser Jahreszeit! Danke für diesen tollen Tipp!

    Liebe Grüße,
    Tanja

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