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Mir wär’s wirklich lieber du würdest nicht…

14. Oktober 2011

… einen Zuschussverlag als deine ersten Veröffentlichungen in deiner Vita stehen haben. (Ich hoffe, du hast nicht zu viel bezahlt – das nächste Mal geh zu BOD.)
… mir schreiben, dass du schon einige Veröffentlichungsangebote erhalten hast, aber dir leider keines davon leisten kannst. (Und dass du das Stipendiengeld dann vielleicht auch noch für ein eben solches verwenden willst.)
… mir mitteilen, dass du jetzt seit kurzem freischaffende(r) Autor(in) bist und darum das Stipendium dringend brauchst um deine künstlerische Karriere zu starten, wie gut ein Drittel der anderen auch. (So etwas muss man sich vorher überlegen.)
… mir mitteilen, dass du mehr Zeit brauchst, darum weniger arbeiten möchtest und darum wiederum dieses Stipendium benötigst, wie gut ein Drittel der anderen auch. (Die Masche funktioniert nicht, ich hab es selbst versucht.)
… jemand sein, den ich im echten Leben kenne, denn das macht das objektive Entscheiden so unglaublich schwer. (Ok, dafür kannst du natürlich nichts. Trotzdem.)

[Fünf Bitten. Aus der Reihe: Literaturstipendienbewerbungen. (Wer sich angesprochen fühlt, darf mich gerne – nach der Jurysitzung, also Anfang November – kontaktieren. Wir können über alles reden.)]

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5 Kommentare leave one →
  1. 14. Oktober 2011 18:16

    Ist das nicht die Realität der Schreibenden?

    • frautravnicek permalink*
      16. Oktober 2011 20:01

      Das Stipendiengeld einem Zuschussverlag in den Rachen werfen wollen, sollte keinesfalls die Realität der Schreibenden sein.

  2. 16. Oktober 2011 21:43

    Da hatte ich auch einmal ein unangenehmes Erlebnis und zwar wollte ich mit Elfriede Haslehner, Valerie Szabo und Hilde Langthaler ein Vier- Frauenbuch machen. Elfriede Halsehner wandte sich an einen befreundeten Kleinverleger, der wollte, ich weiß nicht mehr, wieviel tausend Schilling von jeder von uns, das war in den Neunzigerjahren und sandte uns einen Kostenvoranschlag, wo er sich die fünfundzwanzigtausend Schilling, die er als Förderung bekommen hätte, als Lektoratshonorar veranschlagte, das Ganze ist an meinem Einwand gescheitert, die anderen Frauen hatten, glaube ich, gar nicht mal so sehr etwas dagegen.
    Das mit den Zuschußverlagen ist auch etwas, was ich nicht verstehe, da ich glaube, daß man das Ganze mit einer Druckerei oder bei BoD viel billiger haben kann. Einen psychologischen Grund muß es schon haben, daß immer noch so viele Leute darauf hereinfallen. Vielleicht weil die Zuschußverlage schmeicheln und ein Service anbieten, daß sie gar nicht haben und natürlich wundert es mich ein bißchen, daß junge Autoren, ich nehme einmal an, es handelt sich um jüngere, die um ein Stipendium ansuchen, so offen von Zuschußverlagen sprechen, da schlägt offenbar das neoliberale Denken durch und es hat sich etwas verändert, denn, als ich noch darum ansuchte, war das sehr verpönt und man hätte es nicht so offen formuliert. Allerdings kann ich mich daran erinnern, daß ich, als ich für die „Hierarchien“ einen Verlag suchte, das war Ende 1989, an das BUMUK, um einen Zuschuß schrieb, um es selbst zu machen, dazu ist es nicht gekommen, weil das Buch beim Jack Unterwger in der Edition Wortbrücke herausgekommen ist.

  3. Stefan Bayer permalink
    9. Januar 2012 20:18

    Hallo! Durch Zufall bin ich auf diesen Blog gestoßen und habe das gerade gelesen. Ich finde, man sollte da ein bisschen nachsichtiger sein, wenn ein/e 18- oder 19-jährige/r AutorIn bei einem Dienstleistungsverlag veröffentlicht. Ich kann da jetzt nur von mir sprechen, aber ich habe ganz bestimmt KEIN neokapitalistisches Denken verinnerlicht, ganz im Gegenteil und dennoch habe ich meinen ersten Band bei einem solchen Verlag publiziert. Warum? Weil ein so junger Mensch schlichtweg keine Ahnung vom Literaturbetrieb hat und es einfach unglaublich spannend und toll findet, wenn er überhaupt veröffentlichen kann. Es ist scharf zu kritisieren, dass diese Insitutionen das so schamlos ausnützen, aber ich bin der Meinung, dass sich ein/e JungautorIn deshalb nicht den Vorwurf machen lassen muss, das deshalb gemacht zu haben, weil er oder sie dem Kapitalismus vollkommen anheim gefallen ist – das greift schlichtweg zu kurz. Und wenn an zweiter Stelle ein Nicht-Dienstleistungsverlag steht, bei dem ein damals 21-Jähriger Autor seinen zweiten Gedichtband publiziert hat, dann denke ich, spricht das durchaus für ihn. Ich freue mich übrigens sehr über das Weigel-Stipendium und darf auch Frau Travnicek weiterhin ganz viel Erfolg bei der literarischen Produktion wünschen! Alles Liebe, Stefan Bayer

    • frautravnicek permalink*
      10. Januar 2012 01:19

      Lieber Stefan, du hast das falsch verstanden: Ich wollte hier niemandem unterstellen aus der Absicht heraus einen finanziellen Gewinn zu erzielen bei einem Zuschussverlag zu veröffentlichen. Sondern ich habe genau gemeint, was du geschrieben hast: Dass es mich traurig macht, dass junge (und auch ältere) AutorInnen, die über zu wenige/falsche Informationen über den Literaturbetrieb verfügen, auf diese Zuschussverlage hereinfallen, einfach aus dem Drang zur Veröffentlichung heraus. Ich wäre selbst fast mit 18 auf so ein (verstecktes) Angebit hereingefallen, ebenfalls mit einem Lyrikband… (Books on Demand ist eine der billigsten Varianten für Selbstverleger und noch dazu eine ehrliche, was man von Zuschussverlagen nicht behaupten kann – darum die „Empfehlung“.)
      Der kämpferische Grundtenor deines Kommentares untermauert übrigens die Authentizität deiner Lyrik 😉

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