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Rotkäppchen sein – Wiepersdorfer Berichte II

21. September 2011

Wiepersdorf ist schwer zu finden, nicht nur weil es so klein ist, sondern auch weil es einen zweiten Ort gleichen Namens in der Nähe gibt. Wiepersdorf ist wie gesagt ziemlich klein, ich schätze das Schlossgelände macht ein Drittel des Ortes aus. Und in Wiepersdorf ist nicht viel los, die letzte Aufregung war das Sommerfest, das aber schon vor meiner Ankunft stattfand.
Trotzdem muss für jeden, der schon einmal ohne eigenes Auto in Paliano war, dieses Schloss Wiepersdorf das beste aller Künstlerhäuser sein. Drei Mal täglich bekommt man Essen vorgesetzt, fast immer sehr gut, es gibt einen gefüllten Kühlschrank mit Limonaden, Alkohol und Süßigkeiten gegen Bezahlung, die auch nicht arg teuer sind, man kann sich jederzeit ein Fahrrad nehmen, das noch nicht auseinanderfällt (bloß fast), und die hauseigene Bibliothek ist wirklich schön, wenn auch selten geöffnet, aber im Bedarf kann man sich die Öffnung auch erbitten.
In Wiepersdorf gibt es noch dazu eine Art Sehenswürdigkeit, nämlich den Rotkäppchen-Park. Anscheinend glauben ein paar Leute, dass das Haus der Großmutter aus dem Märchen im Wiepersdorfer Wald stand und haben an dieser Stelle einige Schilder, Figuren und Holzbänke aufgestellt. Die Installation dieses Kunstwerkes scheint aber auch schon wieder einige Zeit lang zurück zu liegen, dem Zustand nach zu urteilen… auf jeden Fall kann man dort solche Dinge bewundern wie die Baumstümpfe der drei großen Eichen aus dem Märchen, die einem Schild nach leider in den 60er Jahren gefällt wurden. Dafür hat man zusätzlich einen Brunnen in einer zur Zeit des Märchens weit verbreiteten Form gegraben, bei dessen Bau man auch einige „sehr alte Ziegel“ fand, die nun in einer Kiste mit totem Laub und Ästchen zur Schau gestellt sind. Laub und Ästchen scheinen dabei zufällige Austellungsgegenstände.
Wer also im Künslterhaus residiert kann nicht nur Schlossherr sondern auch Rotkäppchen sein, oder böser Wolf, je nach persönlicher Vorliebe.

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7 Kommentare leave one →
  1. 22. September 2011 09:51

    ich weiß es ja nicht so genau und mir fehlt grad die zeit, das nachzuprüfen, aber es könnte doch daran liegen, dass bettina von arnim ja eine der informatinnen der grimms war und wiepersdorf bekanntlich besonders verabscheut hat, da sie sich vor den dort befindlichen geistern und anderen übernatürlichen gestalten fürchtete (oder vielleicht auch nur die ehe mit achim nicht so besonders war), jedenfalls liegt es nicht fern, die verbindung herzustellen, oder nicht?

    • frautravnicek permalink*
      22. September 2011 10:06

      antwort siehe kommentar unterhalb (vergessen auf „antworten“ zu klicken)…

  2. frautravnicek permalink*
    22. September 2011 10:05

    nachdem ich gestern erst die museumsführung mitgemacht habe, bin ich voll informiert: also bettina hat wiepersdorf zwar zuerst gehasst, dann aber geliebt. die grimms allerdings waren hier in wiepersdorf, das ist gewiss (eine tochter bettinas hat einen grimm sohn geheiratet) – darum scheint es auch nicht abwegig, dass sie das rotkäppchenmärchen von hier haben. nur wie groß der wahrheitsgehalt solcher märchenerzählungen wirklich ist und ob man daraus tatsächlich auf ein existierendes haus schließen kann – ich würde eher die meinung vertreten, dass, wenn da ein haus stand, dieses mehr eine inspiration war. ich frage mich nur, wer auf die idee kommt eine alte frau dort allein im wald wohnen zu lassen, das ist vom schloss ca. 2km entfernt. der wald an sich hat aber (zumindest jetzt) keinerlei ähnlichkeit mit so einem bösen märchenwald, die bäume stehen ziemlich weit auseinander, die wege sind weiß-sandig, das ganze ziemlich hell…

  3. 22. September 2011 10:12

    vielen dank der aufklärung. ich möchte nur noch hinzufügen, dass der wald sich ja inzwischen geändert haben kann und dass die großmutter so fernab von allem wohnt, ja das grundproblem ist, das das märchen thematisiert.

    • frautravnicek permalink*
      22. September 2011 10:53

      hm, das ist natürlich auch wahr – aber das „thema“ oder eben die moral der geschichte ist auch aus jedem persönlichen blickwinkel anders, oder nicht? und in jeder der existierenden formen… also in der form, wie ich das märchen kenne, habe ich das als kind so verstanden, dass man (als kleines mädchen) mit einer gesunden portion skepsis besser dran ist.

  4. 22. September 2011 11:16

    naturgemäß ist jede moral und jedes thema der geschichte anders und richtig.

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