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Hesse und wir

31. Juli 2011

Es gibt AutorInnen, deren Lektüre streift man beim Erwachsenwerden als Leserin (und als Schreibende) ab wie die Schlange ihre Haut. Hesse ist das wohl beste Beispiel dafür. Ich kenne einige Personen, die ihn früher verschlungen haben und die heute kein Buch mehr von ihm angreifen können… Vor kurzem bin ich auf diesen Text von Thomas Klupp gestoßen, der im Vorfeld zum Bachmannpreis im Volltext veröffentlicht wurde. Und beim Lesen dieses Textes erinnerte ich mich daran, dass Steppenwolf, Unterm Rad, Siddhartha und in weiterer Folge Demian und sogar Peter Camenzind und vor allem Narziss und Goldmund und etwas später auch noch das Glasperlenspiel – ich könnte die Aufzählung glaube ich noch einige Zeit fortsetzen – auf mich so ziemlich genau den gleichen Einfluss hatten. Allerdings entdeckte ich zur gleichen Zeit auch Paul Celan und so hat es mich zuerst einmal in die Lyrikecke verschlagen. Und wenn dann Werkstattleiter und Wettbewerbs-Jurys mir erklärten, sie würden meine Prosa doch viel gelungener finden als meine Lyrik – dann fühlte ich mich Hesse wieder sehr nahe, dem man ja auch nachsagt, dass er seine ungleich weniger berühmten Gedichte soviel lieber mochte als seine Prosa.
Ich möchte gar keine Schätzung abgeben, wie vielen Nachwuchsschriftstellerinnen und Autorinnen diese Erfahrung teilen… man kann viel über Hesses Bücher sagen und darunter auch viel nicht so schmeichelhaftes – aber es steht außer Frage dass er als Jugendbuchautor und als Rekruter des deutschsprachigen Literatennachwuchs unglaublich gute Dienste leistet. In dem Sinne: Hesse FTW!

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5 Kommentare leave one →
  1. winfried gindl permalink
    4. November 2011 11:36

    und die kürzeren erzählungen und essays, und „Kurgast“, mögen Sie das auch nicht (mehr)? ich habe die kürzeren erzählungen sehr gern gelesen (ist allerdings auch schon eine weile her), weil es da teilweise so wunderbar lebendige beschreibungen gab und ich die hauptfiguren und die erzählperspektiven so überzeugend fand (weder allzusehr um originalität bemüht, noch allzu abstrakt), und die literarischen aufsätze sind sprachlich schön und ausgeglichen, kenntnisreich, und sind wie so vieles bei hesse von der haltung her bestechend.

    • frautravnicek permalink*
      4. November 2011 17:10

      mit den essays habe ich mich noch nicht beschäftigt – vielen dank für den tipp!

      • winfried gindl permalink
        27. November 2011 13:15

        gern.
        …. ich dachte, ich hätte das letzte mal bei der e-mail-benachrichtigung ein hakerl gemacht …

  2. Gustav Gans permalink
    5. November 2011 17:09

    Beim Lesen von „Paradiso“ von Klupp habe ich mir bei der Passage über Hesse ähnliches gedacht. Das war auch so ziemlich die einzige Stelle des Buchs, die mir gefallen hat, aber das tut nichts zur Sache.
    Sehr schön die Beziehung zu Hesse getroffen und man kann ihn ja schon deshalb mögen, weil man sein Werk einmal mochte, auch wenn man vielleicht etwas den Zugang dazu verliert.
    Ich stimme Hesse FTW jedenfalls uneingeschränkt zu.

    • frautravnicek permalink*
      24. Juli 2012 14:12

      Mir ist gerade aufgefallen, dass der Link nicht mehr richtig ist, da der Text nicht mehr online steht…

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