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Und sie dreht sich doch. Weltliche Befindlichkeiten.

16. März 2011

Wo soll ich anfangen? Wahrscheinlich nicht bei Japan, weil genau da fängt dieser Tage jeder an. Mach ich trotzdem – aber anders. Das erste, woran ich denken musste als die Berichterstattung über die Probleme im Atomkraftwerk begannen, war „Die Wolke“. Eines der wenigen Schullektüre-Bücher denen ich mich nicht verweigert habe. (Sonst war mir nämlich zu der Zeit Hesse lieber als zum Beispiel „Mit Jeans in die Steinzeit“). So schnell wie ich mich an dieses Buch erinnt habe, habe ich diese Erinnerung gleich wieder vergessen, bis ich auf diesen Artikel gestoßen bin – und mir auf einmal klar war: ich bin nicht allein. Wie weit verbreitet dieses Buch als Schullektüre war/ist, habe ich erst beim Lesen dieses Beitrages realisiert. Und im gleichen Moment, wie tief sich so eine kollektive Leseerfahrung in das Gedächtnis einer ganzen Generation (fast zweier ganzer Generationen) einbrennen kann. Und ich dachte, nur weil ich so nahe an Österreichs einzigem Kernkraftwerk wohne, dass ich, wäre es in Betrieb und gäbe es einen ernsthaften Unfall, wahrscheinlich nicht einmal mehr das Licht sehen würde, ist mir der Text so prägnant im Gedächtnis geblieben. Der Umgang mit Kernkraft ist in Österreich unglaublich verlogen. Zuerst bauen wir teuer ein Kraftwerk, dann nehmen wir es (zum Glück) nicht in Betrieb. Statt als logische Entwicklung daraufhin weltweit führend in Sachen alternative Energien zu werden, importieren wir den Atomstrom der AKWS, die nicht allzu weit von unseren eigenen Grenzen stehen. Die Bevölkerung reagiert darauf mit Verdängung – oder mit Ironie, wie das in seinen Anfängen auf dem Gelände des Kernkraftwerks stattfindende „Nuke“-Festival verdeutlicht.

Weil sich die Welt aber doch dreht und vor allem weiter, noch zu anderen Dingen: Der österreichische P.E.N. ist insolvent. (Darum war wohl bis jetzt auch die einzige Post, die ich bekommen habe, die Zahlungsaufforderung für Mitgliedsbeiträge – obwohl meine offzielle Aufnahme noch gar nirgends aufscheint oder mir gar postalisch mitgeteilt worden wäre.) Das ist unglaublich peinlich (und zwar für uns alle). Und jetzt einmal ehrlich: Das ist fast genauso peinlich wie der Umstand, dass in Österreich in literarischen Vereinigungen die Freunderlwirtschaft genauso gerne wie in anderen Bereichen gepflegt wurde (und teilweise wohl noch wird), was dazu führt, dass immer wieder neue solche Vereinigungen gegründet werden müssen, als Protest bzw Gegenbewegung, um oft dann wieder in das gleiche Schema zu verfallen. Diesem Umstand haben wir es ja zu verdanken, dass (obwohl diese Auseinandersetzung nun schon älter ist als ich) es heute noch Mitgliedern der GAV eigentlich verboten ist, Mitglied im P.E.N. zu werden. Und (nicht nur) das hat dazu geführt, dass unser P.E.N. Zentrum weit hinter dem Prestige zurückbleibt, dass diese Vereinigung grundsätzlich in anderen Ländern hat. Ich frage mich ja, ob es nicht im Interesse aller österreichischen LiteratInnen sein sollte, sich hier zu engagieren um auch international im ursprünglichen Geiste des P.E.N wieder sichtbarer zu werden. Für mich geht es in dieser Frage vor allem nicht um inner-österreichische Befindlichkeiten, sondern um globale Ziele wie die Freiheit des Wortes. Ich glaube, es ist Zeit für einen Neuanfang. Gleichgesinnte dürfen sich gerne melden.


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6 Kommentare leave one →
  1. 16. März 2011 20:24

    Besonders der letzte Satz gefällt mir. Gleichsinn!

  2. 17. März 2011 08:35

    bei mir hat „die letzten kinder von schewenborn“ enorme spuren hinterlassen… gut, das ist wohl mehr eine hiroshima als fukushima-geschichte, aber –

    • frautravnicek permalink*
      17. März 2011 09:27

      das ist die selbe autorin, zählt also auch.

  3. 17. März 2011 08:43

    Ganz so einfach ist das, glaube ich nicht, weder mit Zwentendorf noch mit Pen und GAV.
    Das Atomkraftwerk wurde vor langer langer Zeit, vor Tschernobyl und Japan, gebaut, unter Kreisky kam es zu einer Volksabstimmung und zufälligerweise haben ein paar Leute mehr dagegen als dafür gestimmt.
    Das „Das kann man doch nicht machen wegen der paar Spinner!“, war damals laut zu hören, dann kam 1986, Sie waren noch nicht geboren, meine Tochter gerade zwei Jahre alt und hat nicht verstanden, warum sie plötzlich keine Steine in den Mund stecken durfte und auch nicht so viel Milch trinken sollte. Nach und nach haben wir die Katastrophe begriffen und inzwischen, vor einem halben Jahr, Jahr habe ich auch schon wieder oft gehört, daß man den Atomstrom unbedingt braucht und man doch nicht wegen der paar Spinner u.s.w. u. s.f.
    GAV und PEN ist vielleicht noch komplizierter, wenn auch wahrscheinlich nicht so gefährlich und der Grund für die Zweiteilung auch schon lange her.
    Im Jahre 1973 waren die, die heute auch schon ihre Schlaganfälle hatten oder vielleicht sogar schon gestorben sind, jung und kritisch, haben Weltkrieg II aufgearbeitet und gesehen, im PEN sitzen vielen alte Männer, die im Krieg vielleicht nicht so kritisch oder etwas anderes waren und wollten in dieser Vereinigung nicht Mitglied sein.
    Inzwischen sind auch in der GAV viele über sechzig und die jungen Autoren haben leider wegen der prekären Arbeitsverhältnisse, des Konkurrenzkampfes etc andere Sorgen, als einen Autorenverein, sondern facebook, twitter und auch die Freunderlwirtschaft schaute heute vielleicht anders aus.
    Aber ich war vor kurzem im Literaturhaus bezüglich 40 Jahre Podium und habe mir das neue Heft 1970 – 2010 durchgeblättert, da habe ich mich schon gefragt, was eigentlich der Sinn ist, beim PEN oder GAV, Schriftstellerverband, Podium etc zu sein, vielleicht schon der Hintergedanke, daß ich, wenn ich nur bei allen bin, auch überall lesen und publizieren kann?
    Ein Neubeginn im Sinne des ursprünglichen Gedanken von Solidariät, Menschenfreundlichkeit, Umweltverträglichkeit, geringere Profitgier etc ist sicher gut und wichtig.
    Ob der im PEN zu finden ist, wage ich zu bezweiflen, schaue aber selber gerne über den Tellerrand hinaus und wünsche mir ebenfalls eine bessere Welt.

  4. frautravnicek permalink*
    17. März 2011 10:22

    Liebe Frau Jancak,
    natürlich ist es immer „nicht so einfach“. Aber darum wurden über Themen wie diese beiden auch ganze Bücher geschrieben und nicht nur zwei Absätze – ich bin mir einer gewissen Abstrahierung der Problematik durchaus bewusst.
    Dass auch der PEN (wie viele andere österreichische Institutionen) in der Nachkriegszeit das Problem hatte, dass einige seiner Mitglieder nicht die Vergangenheit hatten, die sie gerne (wieder) gehabt hätten, damit muss man lernen umzugehen und solche Tatsachen gehören aufgearbeitet, um einen ehrlichen Neustart machen zu können.
    Und wegen des AKWs in Zwentendorf: Es ist ja schon grundsätzlich wieder typisch, dass es zuerst gebaut wird und dann abgestimmt – und nicht umgekehrt.

    • 17. März 2011 17:06

      Natürlich, aber ich bin sehr froh, daß ich damals abstimmen durfte, ganz besonders jetzt

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