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Publikationslisten

26. Januar 2011

In meiner Tätigkeit als Jurymitglied beim Hans Weigel Literaturstipendium habe ich den Biographien beigefügte Publikationslisten anderer SchriftstellerInnen gesehen. Gesehen, nicht gelesen. Oder höchstens auszugsweise gelesen. Die Publikationslisten mancher Leute haben nämlich eine Länge, die mich an das (ja, ich kenn das noch!) Endlospapier eines Faxgerätes denken lassen. Da ist vom kleinsten Gedicht in einer regionalen Literaturzeitschrift über die Beiträge in Anthologien der letzten zehn Jahre bis zu den natürlich in einer Bibliographie wichtigen eigenständigen Veröffentlichungen aber auch wirklich alles verzeichnet! Und ich frage mich dann immer nur, wie man diese Disziplin (oder weise Voraussicht?) haben kann das alles aufzuschreiben. Bei meiner letzten Einreichung habe ich dann mal angefangen ein paar Literaturzeitschriften aus dem Regal zu nehmen und mir meine Beiträge zu notieren. Ich kann euch verraten: Sehr lange hat es nicht gedauert und ich war es leid. Ich hab an meine eigene Reaktion als Jurymitglied und wieder an Fax-Endlospapier gedacht und beschlossen, dass das sowieso niemand liest. Die eigenständigen Publikationen, vielleicht noch drei, vier Anthologiebeiträge – mehr steht dann aber schon nicht mehr in meiner Standardbibliographie. Total unnötig. Oder?

Bis man dann vielleicht einmal um unveröffentlichte Gedichte gebeten wird. Ja, wie war das jetzt gleich, welches meiner wenigen Gedichte war bei welcher Literaturzeitschrift eingeschickt und wie viele und vor allem wieder welche davon wurden dann auch gedruckt? Hm. Wenn man jetzt nur eine Publikationsliste hätte, gell?

Ähnlich ist es auch mit den Einreichungen bei Wettbewerben. Wer hebt schon alle Wettbewerbseinreichungen auf? Coole Schriftsteller schicken ihren Beitrag (so fern coole Schriftsteller überhaupt einen Beitrag schicken) und vergessen dann sofort, dass das überhaupt passiert ist, nicht wahr? Bis man auf eine wichtige Ausschreibung stößt und Texte verlangt werden, die noch nicht zu anderen Wettbewerben eingereicht waren. Und man will da vielleicht einen Romanauszug hinschicken. Wie war das? Habe ich beim letzten Wettbewerb Kapitel 3-5 eingeschickt? Oder doch 2-4? Oder vielleicht gar eine Zusammenstellung aus verschiedenen Abschnitten? Habe ich den Roman nicht in der Zwischenzeit schon zwei Mal überarbeitet?

Und dann sitzen sie da in ihrem Blätterhaufen, die überforderten Schreiberlinge, und wünschen sich ein eigenes Litertaturarchiv in dem bitte jemand alles dokumentiert, sortiert und mit kleinen Namensstickern beklebt. Und abstauben könnte derjenige auch manchmal, wenn er schon dabei ist.

Veranstaltungserinnerung: Heute Diskussion in der Roten Bar im Volkstheater


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6 Kommentare leave one →
  1. 26. Januar 2011 19:36

    Abgesehen, daß ich mich wundere, daß jemand, der sich um ein Weigel-Stipendium bewirbt, schon eine lange Publikationsliste hat, kann ich die Disziplin sich alles aufzuschreiben, wirklich nur empfehlen.
    Und hat man es sich erst einmal angewöhnt, eine solche Liste zu haben, ist es ganz einfach und leicht und man hat immer alles geordnet und kann sich später über seine Erfolge auch freuen.
    Über die Unsitte zu verlangen, daß man eine Geschichte nur einmal einreichen darf und dann wird sie vielleicht gar nicht genommen, sollte man allerdings diskutieren. Jede Schikane muß man sich nicht gefallen lassen, da ist ein bißchen Vergeßlichkeit ganz gut, denke ich.
    Ich ärgere mich jedenfalls immer noch ein bißchen, daß ich, als mein Best of II Buch machte, eine sehr schöne Geschichte nicht hineinnahm, weil sie ein Wettbewerb haben wollte.
    Der Text ist noch immer unveröffentlicht und ein best of III Buch wird es sobald nicht geben.
    Ich hätte Sie aber ohnehin für so diszipliniert gehalten, daß Sie eine lange und genaue Publikationsliste haben.

  2. sara permalink
    27. Januar 2011 15:17

    also, für den gegenwert von exemplaren deiner nächsten romane, fänd ich das nicht übel, deine archivarin zu sein. 😉 (warum klingt das in meinen ohren jetzt wie ein anstößiges, fetischhaftes angebot? 😉 )

    • frautravnicek permalink*
      27. Januar 2011 20:30

      ein bisschen vielleicht. allerdings auch wie ein nettes angebot – vielleicht hast du in den sommerferien mal zeit… 😀

  3. consens permalink
    27. Januar 2011 15:52

    muss gestehen, beim lesen kam mir doch der gedanke ‚literatisches luxusproblem‘.. denn wenn man keinen kometenhaften aufstieg mit seinem schreiben hinlegt, kann es durchaus sein, dass man ein weilchen keine einzelpublikationen vorzuweisen hat und somit auf referenzen zu kleinsten gedichten in regionalen literaturzeitschriften schlichtweg angewiesen ist. und so schnell den überblick verliert man dann halt auch nicht..
    für die mangelnde liebe zur buchführung allerdings meine vollste sympathie!

  4. lhz permalink
    27. Januar 2011 21:21

    flattred

  5. 31. Januar 2011 08:57

    Ich habe so eine Komplett-Publikationsliste, allerdings nur für private Zwecke, um zu wissen, was unveröffentlicht ist und was nicht etc. – manchmal benenne ich z. B. auch einen Text irgendwann um, und wenn er unter dem alten Titel schon veröffentlicht war, hätte ich früher oder später keinen Überblick mehr… Aber ich muss zugeben, dass ich ausführliche Listen jeglicher Art eh ziemlich mag, sie geben mir das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Über was auch immer. 😉
    Bei Bewerbungen lasse ich das alles aber komplett unter den Tisch fallen und schreibe nur die Einzelveröffentlichungen auf. Wenn der Text nicht überzeugt, tut es auch eine ausführliche Bibliographie nicht.

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