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Bachmannpreis, schlafloser dritter Streich

26. Juni 2010

Ich möchte es ja gerne dem Bachmannpreis zuschreiben, aber ich denke es lag doch eher an der Abschlussprüfung im Übersetzungspraktikum Chinesisch 2.

Mit riesigen Augenringen, dem Aussehen nach also ein Pandabär, habe ich heute frühmorgens (d.h. für Studentinnen um 9 Uhr) das Bett verlassen und mich mit Frühstück und Vokabelkärtchen abwartend vor dem Fernseher platziert. Zuerst kam Peter Wawerzinek, der irgendwie seltsam vorlas, wobei auf Twitter teilweise behauptet wurde, das wäre Absicht. Die Systematik hinter der Seltsamkeit blieb mir verschlossen. Der Text kam bei der Jury ziemlich gut an, ich bin mir immer noch nicht sicher. Schlecht ist er auf keinen Fall, aber stellenweise kommt doch ein bisschen Kitsch durch, was der Autor auch noch mit autobiographischem Inhalt verteidigte. (Ein Unding!)

Iris Schmidt. Ich sage dazu weniger als die Jury, die wurde nämlich geradezu gemein.

Christian Fries schauspielerte sich durch seinen Text, das Publikum lachte viel, die Jury soweit beobachtbar gar nicht. Wie immer gibt es bei Humor den Verdacht, das wäre doch keine Literatur. Literatur ist es schon, die Frage nach der Qualität stellt sich großteils unabhängig vom Humor. Ich war dazwischen in der Dusche. Auch Herr Fries konnte nicht widerstehen und mischte sich in die Jurydiskussion ein und fand sich selbst dabei unheimlich komisch. Die eigentlich unmögliche Frage nach Vermischung des Autors mit seinem lyrischen Ich tut sich auf.

Dann kam mit einem sehr österreichischen Vorstellungsfilmchen Verena Rossbacher, Hoffnungsträgerin. Ein ICE an lyrischer Prosa ergoss sich über die Zuhörer, die Jury wollte dem Sog nicht nachgeben. Wie immer haben es lyrisch (/experimentelle) Texte schwer im Klagenfurter Biotop. (Ich musste leider zu Beginn der Jurydiskussion auf die Uni fahren um meine Prüfung zu schreiben, habe aber das Video nachgesehen.)

Fazit nach 3 Tagen: Ich bin müde zum in der Straßenbahn umfallen, in meinem Kopf rotieren Ideen und literarische Versatzstücke. – also: Ich bin urlaubsreif.

Und jetzt wird es Zeit für die Publikumspreisabstimmung. Das ist auch so eine taktische Sache: Stimmt man für den eigenen allgemeinen Favoriten, oder stimmt man für jemanden, von dem man glaubt, er würde sonst keinen der Preise erhalten, hätte aber einen verdient?

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2 Kommentare leave one →
  1. 26. Juni 2010 20:56

    Also ich hab letztendlich für Frau Rossbacher gestimmt, auch wenn ich denke, dass Scholz das Internet hinter sich haben dürfte.

Trackbacks

  1. Tage der deutschsprachigen Literatur 2010 (Bachmannpreis) – Tag 3 /// Fresh! Fresher! Läscher!

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