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Bachmannpreis, und der zweite, ihr wisst schon

25. Juni 2010

Literatur zum Frühstück: Thomas Ballhausen und sein Text, in dem kein Hund drinnen ist. Den kannte ich ja schon, weil er eventuell in der Anthologie „How I fucked Jamal“ hätte sein sollen. Ich muss zugeben, die (für die Anthologie gewünschte) Sexszene wäre wahrscheinlich nach dem Lektorat um eine Brief-Metapher ärmer gewesen. Durch den Umstand dieses Vorsprunges kann  ich mich ziemlich gut auch auf Twitter konzentrieren, heute also keine allzu große Multitasking-Verwirrung. Der arme Thomas ist sehr nervös (verständlich) und dadurch in der Lesekraft beeinträchtigt, die Jurymeinungen durchwachsen.

Im Text von Max Scharnigg mahlen Waschmaschinen, daran bleibe ich erst mal hängen. Geht gar nicht. Wegen dem Paprikahendl, dass während der Jurydiskussion zum Backhendl mutiert, kriege ich (trotz Vegetariertum) Hunger und darum bleibt mir hauptsächlich das Essen in Erinnerung. Frau Fleischanderl findet den Text eigenartig wortreich (geniale Kritik, so für sich) und andere werden gar böse (kleiner Text).

Nach bzw. während meinem Mittagessen kommt Aleks Scholz, seines Zeichens Riesenmaschinenteil. Scholz bricht manchmal die Stimme, ich drück‘ die Daumen, er hält durch. Erste Favoritenstimmung kommt auf Twitter auf. Die Jury zieht nach. Am Ende hat „Google Earth“ so nebenbei auch noch den Nobelpreis verliehen bekommen, für die Erfindung und Einführung einer neuen, modernen Erzählperspektive. Wenn das keine Vorzeichen sind. Ich mag ein paar der Bilder wirklich gerne, auch wenn Herr Spinnen den Text zu perfekt findet.

In der Mittagspause ein Mayröcker-Film, der sich zu großen Teilen mit dem überschneidet, den ich im Stadtkino gesehen habe. Sie sagt, der Leser gehört erzogen. Ich sage, jeder braucht eine andere Erziehung, also lassen wir das lieber mal weg. Angela Leinen stellt ihr Buch vor: Es geht darum, wie man den Bachmannpreis gewinnt. Ich werde vorlaut und twittere, dass ich, sollte mir jemand das Buch über meine Amazonliste schenken, nächstes Jahr eine Bewerbung für den Bachmannpreis abschicke. Kathrin Passig zieht schneller als Lucky Luke und schon ist das Buch auf dem Weg zu mir und ich habe ein Versprechen einzuhalten. Wolfgang Tischer vom Literaturcafe ist nicht ganz so schnell, aber schickt mir ebenfalls Lesestoff zur Vorbereitung. Auch Lese-Coaching wird mir angeboten. Danke. So kann ja gar nichts mehr schiefgehen (oder am Ende wieder alles, man kennt das ja).

Judith Zander liest wie vorhergesagt sehr unaufgeregt, die Jury sagt etwas von langweilig. Der Text an sich ist gut, aber auch hier ein Romanauszug und man weiß ja nicht so recht, wie das dann sein soll. Die Jury auch nicht.

Zum Schluss kommt Josef Kleindienst, der gleich beim Einstieg in sein Videoportrait alles tut, um nicht den Automatischen Literaturpreis der Riesenmaschine zu bekommen. Ich wusste ja schon, wie er liest und es passt ziemlich gut zum sehr brutalen Text. Ein fein gemachter Text, nur ein paar Formulierungen wie glitzernde Messer hätten nicht sein müssen und ehrlichweise muss ich sagen, dass ich die Figuren anders angelegt als ausgeführt fand (sie sollten wohl jünger sein, als sie am Ende scheinen).

Der Stapel mit den zu lernenden Vokabeln ist auch nicht von alleine kleiner geworden.

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One Comment leave one →
  1. 21. März 2011 17:29

    Haben Sie sich denn nun für Klagenfurt beworben, Frau Travnicek? Würde mich freuen, Sie dort zu sehen!

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