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Im Audi Max I

28. Oktober 2009

Studieren ist hart im Jahr 2009 und fast so hart ist eine halb verschlafene Nacht auf den Klappsitzen im Audimax, vor allem wenn zwischen 24 und 4 Uhr eine Romaband, eine Metalband und eine Jazzband spielen. Und nebenbei andauernd jemand unter mir zusammen kehrt und über mir die Tische wischt. Das ist bei weitem der sauberste Protest, der mir jemals untergekommen ist. Und die Leute waschen selbst ihr Geschirr und stecken den Mist in Plastiksäcke. Es gibt eine AG für Sicherheit, eine AG für Rechtsfragen, es gibt verdammt noch mal hier eine AG für alles. Wir stimmen darüber ab, ob wir über das und jenes abstimmen wollen – und es ist gut so. Niemand ist zuständig und darum sind es alle. Kapitalismusgegener teilen sich das Podium friedlich mit Theologen, die mal eben den Protest konfessionsübergreifend unterstützen wollen.

Die Studenten lernen innerhalb einer Stunde hier drinnen mindestens eben so viel wie in einer normalen Unistunde, die meisten wahrscheinlich sogar mehr. Man erlebt wie Strukturen entstehen, erlernt Selbstmanagment, probt seine rednerischen Fertigkeiten und hört Vorträge, z.B.  über Struktur der (Studenten)Proteste im Iran, wen die Grüne Revolution eigentlich unterstützt (darüber haben viele noch nie nachgedacht), diskutiert die globale Finanzkrise (Ursachen, Auswirkungen, Lösungswege und Alternativen in Europa) und bekommt aufbereitet dargelegt, was der Bologna Prozess eigentlich ist. Beim Plenum ist der Hörsaal voll und trotzdem darf jeder sagen, was er möchte – und obwohl es über drei Stunden dauert, vergesse ich sogar auf die Toilette zu gehen (nein, ob man da hin gehen darf, darüber muss nicht abgestimmt werden..).

Was am Ende bleibt ist pures Staunen über diese Organisiertheit wo es keine Organisation gibt, über soviel Toleranz und Freidenkertum auf einen Haufen. Über das Maß an Kritikfähigkeit, aktiv und passiv. Über die Freundlichkeit, die Offenheit, den Enthusiasmus. Und die Neugier auf einen neuen Tag…

 

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