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Septemberlese 2009, Langenlois

27. September 2009

Zuallererst: Es gibt schon wieder eine neue Rezension, und zwar bei Lesen in Tirol.

Zwischen die beiden Puffer „Wo wir sind“ und „Wer wir sind‘ sind Geschichten eingebaut, in denen Menschen ums pure Überleben rudern, den Lebenssinn suchen oder an der eigenen Unzulänglichkeit scheitern.

Das schreibt der Rezensent dort. Und das habe auch ich gestern bei meiner Lesung um 18 Uhr auf Schloss Gobelsburg getan: Ums pure Überleben gerudert. Habe ich doch genau die beiden Texte vorgelesen, den ersten wegen des regionalen Bezugs zum Waldviertel und den zweiten, weil ich nun schon öfters gehört habe, er wäre der beste im Buch und weil er mir selbst sehr wichtig ist. Nun, das ist noch kein Grund um ums Überleben zu kämpfen, aber fünf Seiten vor Ende blieb mir die Stimme weg und ich musste kurz schlucken und dann, auf der letzten Seite musste ich um jedes Wort mit mir ringen bis ich vor dem vorletzten Satz endgültig in Tränen ausgebrochen bin, ein doch zahlreiches Publikum vor mir, welches natürlich nicht verstehen konnte warum und so etwas sicher noch nie bei einer Lesung erlebt hat. Ob jemand die letzten zwei Sätze überhaupt verstanden hat, das weiß ich nicht und dann saß ich da, aufgelöst, niemand wusste warum und dass der Text zu Ende war – darum musste ich auch das noch in zwei Sätzen irgendwie erklären: Meine Urgroßmutter ist dieses Jahr gestorben, der Text ist aus. 

Da schreibt man EINMAL einen doch sehr hochprozentig autobiographischen Text und dann das. Diesen zwar (wie mir von Seiten der ZuhörerInnen und VeranstalterInnen anschließend versichert wurde) sehr menschlichen, aber trotz allem meinem Empfinden nach sehr unprofessionellen und verstörenden Moment gedenke ich nicht zu wiederholen, darum wird der Text wohl nicht mehr laut vorgelesen werden, zumindest in der näheren Zukunft.

Bei der nächsten Station um 20 Uhr im Ursinhaus las Doris Knecht, die samt dem „Langen“ und den „Mimis“ (also Mann und Kindern) angereist war. Die Mimis durften zum ersten Mal der Mama Knecht lauschen und waren anfangs gut unterhalten, gegen Ende wurde ihnen naturgemäß fad. Die Mütter im Publikum lachten befreit und ehrlich über Doris Knechts allzu wahre Kolumnen und nach der emotionalen Auflösung von vorher breitete sich so schnell ein wohlig familiäres Gefühl über de Veranstaltung aus.

Bei der letzten Station wurde es dann nicht weniger unterhaltsam, dafür teilweise etwas politischer und kritischer. Allerdings gab es auch Momente, wo man das Niveau etwas weiter unten ansetzte – was der Uhrzeit und dem Wein geschuldet war. Damit ist weder die schriftstellerische Fähigkeit Antonio Fians, noch die musikalische Leistung des Kollegium Kalksberg gemeint, sondern lediglich der Textinhalt – gut, dass die Mimis da schon im Bett waren, sonst hätten sie von Doris Knecht wieder ein „Haltets euch bitte kurz die Ohren zu.“ verordnet bekommen.

Die Septemberlese war eine sowohl kulturelle, als auch kulinarische, Rundumversorgung bei der ganz sicher jeder im Publikum voll auf seine Kosten kam. Ein großes Lob an den Verein Langenlois Kultur, der sich vorbildlich um Künstler und Gäste gekümmert und eine tadellose Veranstaltung geboten hat.

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