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Lesen lernen.

8. Juli 2009

Mit „Lesen lernen“ meine ich nicht das Erlernen der Buchstaben um dann Wörter entziffern zu können. Ich meine damit, zu lernen genau die Bücher zu finden, die man auch lesen möchte. Ich will gar nicht wissen, wie viele LeserInnen unserer Welt verloren gingen, nur weil jemand dachte (meistens Lehrerinnen), sie wüssten genau was die Kinder lesen sollten. Alle Kinder. Ich meine, kann ja gut sein, dass der ein oder die andere ihre Freude hat, an Dingen wie Schiller oder E.T.A. Hoffmann, oder in der Unterstufe an Dingen wie „Barfuß in die Steinzeit“. Ich wollte damals eben nicht barfuß in die Steinzeit, ich wollte mit Hesse unters Rad. Und ich wollte nicht Hoffmann, ich wollte Franzobel und das entsetzte Gesicht der Mitschüler sehen, als das Referat an die Stelle kam, an der eine der Hautpfiguren seine Frau kleinmixt und die Toilette hinunterspült, denn sowas hatten sie noch nicht einmal in ihren trashigen Filmen gesehen.

Und weil das so ist, habe ich mir für diesen Sommer eine Leseliste mit ausschließlich sehr neuen Büchern gemacht, um  Autoren zu entdecken, entgegen der anscheinend oft vorherrschenden Meinung, dass Dinge erst gut sind, wenn sie ausführlich in einem AHS-Lehrbuch besprochen werden, und mit dem großen Vorteil, dass ich erst einmal für mich selbst entscheiden kann, was ich davon halte.

(Außerdem: Wer soll denn in dreißig Jahren neue Lehrbücher schreiben und all die schönen Bücher hineinpacken, wenn wir mit unserem Lesen im 20. Jahrhundert stehen bleiben, nicht wahr? Und dann zwingen wir bitte unsere Kinder zu lesen, was wir in unserer Jugend gut fanden, der Gerechtigkeit wegen.)

Ein Auszug aus der Juli-Liste:

„Dorfpunks“ von Rocko Schamoni

„Etwas kleines gut versiegeln“ von Svealena Kutschke

„Freaks“ von Joey Goebel

„Candy“ von MianMian

„Dornröschenschlaf“ von Banana Yoshimoto

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2 Kommentare leave one →
  1. Gerhard permalink
    8. Juli 2009 12:57

    „Der goldene Topf“ ist seit meiner Kindheit mein Liebelingsmärchen und ich hab es meinen Töchtern im Vorschulalter auch schon vorgelesen. Sind wir nicht alle Zerrissene zwischen diesen Dämmerwelten?

    Ich liebe Pynchon, Kafka, Hoffmann und Novalis, genauso wie Rimbaud, Trakl und Lenau, ist die Welt nicht wunderbar in ihrer Vielfalt?

  2. 13. September 2010 21:55

    Wenn eine Mutter für ihr Kind in der 1./2. Klasse verzweifelt nach spannenderen Geschichten sucht, dann könnte es aber daran liegen, dass das Kind die bisher angebotenen noch nicht verstehen kann, da es gerade erst die Buchstaben aneinanderreihen kann.
    Wenn ein Kind also sagt: „Das Buch langweilt mich“, so meint es oft: „Ich habe nichts verstanden.“ Da ich als Büchereimitarbeiterin diesem Problem oft gegenüberstand, habe ich für meine Kinder Geschichten geschrieben, die nur aus leicht zu lesenden Wörtern bestehen (kein „ch“, „sch“, „st-/sp-). Welche jetzt als „Mara und Timo“ veröffentlicht wurden.

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