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Parablüh – Eine Rezension

14. Juni 2017

Cornelia Travnicek überrascht – das konnte ich schon lesen – mit einem eigenwilligen Echo auf Sylvia Plath: „Parablüh“ (Limbus) [1] Monologe mit Sylvia. Travniceks Gedichte nehmen Vers für Vers auf jene Plaths Bezug – sind dabei aber weder Übersetzungen noch Umdeutungen und doch von beidem etwas. Keine Paraphrase, ein Parablüh. [2] Vielmehr greift sie einzelne Elemente, Worte, Themen, Konstellationen aus Plaths Gedichten auf – und überführt sie in ihre ganz eigene, hochkonzentrierte und doch unprätentiöse Sprache. Travniceks Gedichte sind also „Entsprechungen“ im wahrsten Sinne des Wortes. Sie rühren, verblüffen, verstören auch dann, wenn man die „Originale“ nicht kennt. Manche entwickeln einen nachgerade beklemmenden Sog und legen zugleich andere Bezugsgrößen nahe. [3] Das Ergebnis sind 44 starke, klare Texte, die berühren, aufrütteln, manchmal verstören. [4] Es sind Wendungen ins Gelingen, ins trotz allem Positive und Helle, die Travnicek immer wieder einfließen lässt. Wie Plath webt auch sie gern antike Mythen in ihre Gedichte ein. Gegen die Zuschreibung des Klappentexts, der ihren „arglosen Blick“ konstatiert, muss hier energisch Einspruch erhoben werden. Denn arglos ist dieser Blick nie. Die Lyrikerin zeigt sich als wache und klug reflektierende Beobachterin, die auch durch dezente Ironie aufmerken lässt. Immer wieder erweist sie zudem anderen schreibenden VorgängerInnen Reverenz – da bachmannt, celant, shakespearet und goethet es aus so manchem Gedicht, um nur ein paar der Bezüge zu nennen, die Travnicek produktiv verwandelt. [5] It is a large shadow that Cornelia Travnicek has burdened herself with, in the form of Sylvia Plath. I cannot and will not try to judge whether her poems can keep up with those of her shining example, her dialogue partner. Fortunately, this is not necessary, as these poems clearly cut their own path and had a striking and lasting effect on me. Despite their origin and connection, the texts have a masterly autonomy which, far from being noticed only in passing, deserves to be mentioned as a definite characteristic, giving the poems an aura that makes them well worth reading. [6]

 

 

[1] Falter, Daniela Strigl (26.01.2017)

[2] Kleine Zeitung, http://www.kleinezeitung.at/kultur/buecher/buchkritiken/5215896/Gedichte_Cornelia-Travniceks-Monologe-mit-Sylvia (11.05.2017)

[3] Tiroler Tageszeitung, http://www.tt.com/kultur/13070452-91/schlafender-klee-und-die-zerbombte-zeit.csp (Print 08.06.2017)

[4] KURIER (10.06.2017)

[5] Fixpoetry.com, Monika Vasik https://www.fixpoetry.com/feuilleton/kritik/cornelia-travnicek/parablueh-monologe-mit-sylvia (08.06.2017)

[6] Versopolis.com, Timo Brandt, http://www.versopolis.com/review/386/wretched-and-strong (abgerufen 12.06.2017)

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Parablüh für alle (Japanisch)

20. April 2017

Aus Parablüh

Übersetzt von: Prof. Takashi Yahaba
 

 

グランド・ビュー・パリアーノ

 
テラスでは,森の頭をして,ヴェールが
視界を遮る,霞が角をなでて
柔らかくパステルとグレーにする。日が
丘の上に相応しく昇ると,コキンメフクロウたちは
家へと行進する,左,左,

同じリズムの歩みで,左,右,
左。セミたちの沈黙。おばけの部屋でも
動くものはない。誰かが掃き出す
庭から砂を,庭はただ
砂でできている,酵母発酵の穴でできたパン。

草は湿り気を吸い上げる,もう
暑さが来た。最初の馬たちが
小路の間を追われていく,祭りだ。ここでは
一本の道が地平線まで続く,反対側では
武器工場が武器の鋼で自分を

食い破っている。駅では仕事のない者たちが
立ち飲みのエスプレッソを前にしている,45
パーセントがここの失業率だ。老いていない者は
まだボロになっていないしっぽの羽根を見せびらかす。
彼らだってできれば手榴弾を作りたいのだ。

 

 

グッバイ,スカイ島

 
緑なす草原で,テントは緑,仔牛たちの
舌で舐められて緑になるように。群れは
私たちを鎌で刈り取る。私には恐ろしい
傾向が見える。私たちはロープを張り,

動物たちから通行料を求める。嵐は
来ない。群れは去る。世界の終わりは
崖で,そこに1軒のレストランがしがみついている,
私たちは入る。私たちの後ろで砕け散る

スカイ島の丘。ここで私たちは
食通になった。あなたは
馬と仲良くなる。馬は鼻を
あなたの足下で膨らませる。すべてよし。

ここでは空中に海藻があり,羊たちは
墓地/平和の庭で草を食む。牧人役をするのは
ケルト十字架と墓石。教会の
銃眼。眺望/期待は大きい。

私たちは羊たちと同じようにやる。反復して噛む。
テントの中で私たちは和む。あなたの額で
朝には露が結ばれる。その塩を舐める
女は私。

 

 

土地は水没して

 
流れが森を結ぶ
木々が口を噤んだまま祈る
大聖堂へと,こうべを穏やかに
水の中へ沈めて。

ずっと滴る幾千もの
木霊,あなたが老人の手の上に
あなたの手を重ねるように。籠は揺れる
振り子のように重くもう一方の手で

そこここに傘,開かれて,
あるいはクマのような爪の跡。あなたたちは
道に迷ったのよ,でもあなたは手を
離さない,もちろんキノコも離そうとしない。

Parablüh für alle (Russisch)

17. April 2017

Aus Parablüh

Übersetzt von: Белорусец Марк
[Erschienen in einer Anthologie Österreichischer Lyrik in Russischer und Ukrainischer Übersetzung des Österreichischen Kulturforums in Kiew.]

 

Идиллия
(Италия)

Двадцать первое июня настает в лучистых ливнях
Над сонным городом, что, еще не уcтав от лета,
Против восходящего дня собирает белостенные стогны,
И чахлая зелень, потрескивая остриями трав,
Сыпет искрами

Зримо сверкающими в последних тенях.
Легконогий бегун простукивает бескопытной
Рысью вдоль узких улиц окаменелые  городские
Артерии, холмистое вверх-вниз, разминает его
Закостенелую плоть, будто правя службу предкам.

Он хочет от своего имени вписать те края
В новое время, но  земля уже столетия
Здесь отклоняет любые вписки. Он, этот бегун,
Уверенно движется внутри обрушенных
Давно стен, тешится мыслью о внезапно

Выпадающем пульсе, о синкопе,  который он, пританцовывая,
Возмещает выпадами на бегу, поднимая пыль.

 

ДИВАН
Поначалу они отняли у него одну ногу,
После – другую, сделали его
Сподручней.
В черством сердце той Европы
Он здесь восседал на своем
Западно-восточном диване,
Собранном из обломков – около него
Крутился весь дом, все три комнаты.

Одна – парадная, другая – холодная,
там и зимой, и летом они спали
как в леднике, для консервации.
А там, где дед отжимал мне отдельно
Каждое ребро  из грудной клетки –
Я не видел, чтобы он хоть раз
Покинул диван, но так свободно
Мне никогда больше не дышалось.

Сзади примыкал пасторский дом. Был
римский город? С латинским названием?
Кто ж его знает. В саду зрели
Яблоки алкмене, зеленые бобы.
Одно поколение потерянное, другое –
рвануло вперед. Когда, наконец,
дед обзавелся четырьмя колесами,
ноги он  успел уже подарить.

 

Подпись под фотографией
(без оной)
Волны лижут пляж за ним, на солнце
Играют переливы. Приносят раковины,
Рачков и водоросли – суп почти. Эгейское там
Море. Обетование. Он телом дополняет
Завершенность  сцены. Пару чаек приносит ветер.
День бессердечно предлагает изображенье –
И ни дюны, чтоб вид нам этот заслонить –
Ребенок спящий ( колыбельная в ушах еще).
А с Крита глядит Европа.

Невинность дала крен,
Лицом лежит в песок. Назад его
не примет море. Над носом круглится пока
Широкий, безупречный детский лоб. А губы только соль
Находят в пищу. Нет скал, чтоб стать преградой
На пути надменного прибоя. Всё громче голоса.
Речь об убийстве.

 

Hauptwiderspruch, Nebenwiderspruch.

12. November 2015

Stilistik & Poesie:

„Ein stilistisches Alleinstellungsmerkmal findet sie zwar auch in Junge Hunde nicht…“ (Christoph Hartner, Kronenzeitung Steiermark, 19. Oktober 2015)

„[…] das erzählt Travnicek lakonisch, poetisch, melancholisch, in einem ganz eigenen Ton.“ (Jan Karsten, Culturmag, 4. November 2015)

„Als „poetisch, lakonisch und unsentimental“ beurteilte die NZZ Travniceks Erstlingswerk. Eine Einschätzung, die auch auf „Junge Hunde“ zutrifft – wenn man das „poetisch“ streicht.“ (Tiz Schaffer in FALTER 41/15)

„Wie schon in ihrem Debütroman greift die gebürtige St. Pöltnerin dabei auf eine unaufgeregte und zugleich poetische Sprache zurück.“ (Christoph Hartner, Kronenzeitung Steiermark, 19. Oktober 2015)

„Die österreichische Autorin Cornelia Travnicek überzeugt in „Junge Hunde“ durch Stilsicherheit, Sprachwitz und Kompositionskunst. […] So geht poetisch.“ (Bruno Jaschke, Wiener Zeitung, 30.01.2016)

 

Struktur & Komposition:

„Dass sich daraus dennoch keine große, runde, glatte Gesamtgeschichte ergibt, sondern alles rau, brüchig und mitunter widersprüchlich bleibt, ist kein Defizit, sondern macht einen Teil der Qualität dieses unaufgeregt und stilsicher erzählten Buches aus. Es ist eigensinnig, unangepasst und manchmal etwas rätselhaft. Gut so.“ (APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe, 16.Oktober 2015)

„Es ist ein kompliziertes, ein engmaschiges Netz aus Erinnerung, Familie und Vergangenheit, das Travnicek um ihre Protagonisten legt. Nicht nur sie verfangen sich darin, oft kommt auch der Leser ins Stolpern.(Moritz Müller-Schwefe, taz, 30.01.2016)

„Und als strenge Komposition bis fast ins kleinste Bild und Motiv hinein.“ (Jan Karsten, Culturmag, 4. November 2015)

„Wie es die Autorin schafft, in den Handlungsverlauf Rückblenden und Erinnerungen einzuflechten, im Wortsinn zu vergegenwärtigen, ohne damit zu verwirren oder anzustrengen, zeugt von sicherem dramaturgischem Instinkt und hoher Kompositionskunst.“ (Bruno Jaschke, Wiener Zeitung, 30.01.2016)

 

Unterkategorie Inhärenter Widerspruch:

„[…] legt Travnicek mit „Junge Hunde“ also eine weitere Adoleszenz-Geschichte vor.“ (Moritz Müller-Schwefe, taz, 30.01.2016)

„Sind trotz ihres Alters(*) bereits ungeheuer erwachsen […]“ (Moritz Müller-Schwefe, taz, 30.01.2016)

*[Zwischen 20 und 25, Anmerkung der Autorin]

 

 

„Die Sprache, dieses Arschloch“, schreibt Cornelia Travnicek deshalb in ihrem zweiten Roman „Junge Hunde“. (Peter Pisa, Kurier, 17.10.2015)

 

To be continued…

 

 

 

Quellen ua. :

http://www.tt.com/home/10642766-91/br%C3%BCchige-biografien-junge-hunde-von-cornelia-travnicek.csp

http://culturmag.de/rubriken/buecher/litbits-besprechungen-neuer-buecher-oktober-2015-tomi-ungerer-gary-shteyngart-claudia-erdheim-e-l-doctorow-jakob-hinrichs-hans-fallada-eugeniusz-tkaczyszyn-dycki-joe-j-heydecker-johannes-lee-kathrin/90096

https://cms.falter.at/falter/rezensionen/buecher/?issue_id=601&item_id=9783421046284

http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/literatur/buecher_aktuell/798212_Broeckelnde-Fundamente.html

http://www.taz.de/!5270540/

 

Junge Hunde.

1. November 2015

Johanna kümmert sich gern um andere – um die Tochter ihrer alleinerziehenden Nachbarin Julia, um den betagten Herrn Glantz und sein Malteserhündchen Gloria und auch um ihren besten Freund Ernst. Doch eines Tages beschließt Ernst, nach China zu reisen, um dort seine leibliche Mutter zu suchen, und Johanna bleibt mit ihrem langsam dement werdenden Vater allein zurück. Als sie beim Ausräumen des elterlichen Hauses eine alte Postkarte ihres Vaters entdeckt, die jahrelange Gewissheiten auf den Kopf stellt, beginnt auch für sie plötzlich eine Suche. Am anderen Ende der Welt muss Ernst erkennen, dass das reale China nichts mit dem märchenhaften Land seiner Kindheitsfantasie zu tun hat und er in seiner vermeintlichen Heimat ein Fremder ist.

Eine berührende Geschichte über die Suche zweier junger Menschen nach der eigenen Wahrheit, über Familie, Freundschaft und Aufrichtigkeit.

„Der Roman verfügt über subtilen Witz, weist Momente der Spannung auf, ist mitunter traurig und hält dennoch Abstand zur Rührseligkeit. File under: Unterhaltung mit Anspruch.“ FALTER

„Dass sich daraus dennoch keine große, runde, glatte Gesamtgeschichte ergibt, sondern alles rau, brüchig und mitunter widersprüchlich bleibt, ist kein Defizit, sondern macht einen Teil der Qualität dieses unaufgeregt und stilsicher erzählten Buches aus. Es ist eigensinnig, unangepasst und manchmal etwas rätselhaft. Gut so.“ APA

„Die 28-jährige Schriftstellerin scheint mehr Durchblick zu haben als viele Alte.“ KURIER

In Vorbereitung

26. März 2015

Kürzlich habe ich auf eine nette E-Mail, die eine Konversation von vor ungefähr zwei Jahren wieder aufgenommen hat, eine Antwort bekommen, die diesen Satz enthält: „ich dachte schon […] die ganze Travnicek sei inzwischen in irgendeinem Orkus versunken!“ Na, so schlimm ist es nicht, das wissen zumindest die, die meine Twitter- oder Facebook-Posts sehen.

Die Wahrheit ist simpel: Auch Schriftstellerinnen müssen arbeiten und das braucht Zeit. Die Zeit hat man aber nicht, wenn man, sagen wir mal, beschließt doch noch endlich den Studienabschluss zu machen. Heute morgen habe ich die digitale Version meiner Masterarbeit hochgeladen und: Oh boy! War das ein schräges Gefühl. Aber üblicherweise muss ich mich nach der Abgabe eines Manuskriptes auch nicht auf eine darauf folgende dreiteilige Prüfung vorbereiten, höchstens auf ein Lektoratsgespräch mit mehr oder minder glücklichen Lektorinnen. Die Lektorinnen erlauben allerdings, dass man es noch einmal versucht, falls sie unzufrieden sind, die Uni ist da etwas bürokratischer.

Wie auch immer, von Orkus kann keine Rede sein! Für 2015 ist einiges in Vorbereitung:

  • Ein Lyrikband „mindestens einen der weißen wale“ erscheint im Sommer im Verlag Berger, in der Reihe „Neue Lyrik aus Österreich“ (Neue Lyrik aus Österreich 2015 Folder)
  • Der neue Roman mit dem Titel „Junge Hunde“ ist für Herbst geplant
  • Die Verfilmung von Chucks sollte auch dieses Jahr noch zu sehen sein, wer neugierig ist, kann hier schon einmal ein paar Filmstills ansehen (Ich liebe das Krankenhaus-Bild mit den vielen Stricksachen!)

Lesungstermine findet ihr wie immer auf meiner Homepage.

farewell 2014 (poem)

7. Januar 2015

farewell 2014

zwergische ruinen
im rückspiegel einer autobahnauffahrt
eine ausgebrannte stadt
weicher teer
schwarzer schlaf hängt uns
noch in den augenwinkeln
und ruß streichelt uns die lungen
wir sagen uns wir verlassen ein schlachtfeld
aus dem grund da wir
keine schlacht zu schlagen haben
aber die schlacht schlägt uns
tausend um tausend meter
siehst du die ascheteilchen steigen
sagt ein ich zu einem kindersitz
der leer auf der rückbank des wagens
wie schnee der von der erde
in den himmel fällt